Sind Digitalisierung und Cloud für den Mittelstand wirklich synonym?

Wie geht es mit der Digitalisierung im Mittelstand tatsächlich voran? Wie weit haben Cloud-Anwendungen im Alltag Fuß gefasst? Und welche Rolle spielt der wachsende Bedarf nach einem mobilen Zugriff dafür, dass sich die Cloud durchsetzt? Äußerungen der Teilnehmer der „forconference 2018“ ergeben ein differenziertes Bild. Das Softwarehaus forcont, Spezialist für Enterprise Content Management (ECM), hat die Teilnehmer bei seiner letzten Fach- und Anwenderkonferenz nach ihrer Meinung befragt und deren Äußerungen in einem Video zusammengestellt. Dabei zeigt sich eine Erkenntnis: Die Cloud wird auch im Mittelstand immer wichtiger – aber die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen ist nicht zwingend daran gebunden, dass dazu in der Cloud gehostete Business-Applikationen genutzt werden. Noch nicht.

Mobilität als Cloud-Treiber

Die große Cloud-Umfrage, die forcont und die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin im September 2017 durchführten, hatte ergeben, dass 90 Prozent der Befragten die mobile Nutzung von Applikationen für einen ganz wesentlichen Vorteil von Cloud-Lösungen halten. Um Cloud-Lösungen kommt man heute nicht mehr herum, wenn man mobil Arbeiten will – diese Meinung vertreten auch viele Teilnehmer der „forconference“. Es zeigt sich eine Einsicht: Während die Cloud im Prinzip von überall aus zugreifbar ist, kann man dies aus dem eigenen Rechenzentrum schon aus technischer Perspektive heraus kaum mehr bewerkstelligen.


Weitere Teilnehmer-Meinungen zur Zukunft von Digitalisierung, Automatisierung und Cloud-Nutzung im Mittelstand finden sich auch in diesem Video:




Erste Automatisierung auch ohne Cloud

Manche Teilnehmer berichteten aber auch, dass sie den Weg hin zu Automatisierung und Digitalisierung beginnen, ohne dafür schon den Schritt in die Cloud zu tun. So sagt Martin Schwätzer von der AVU Aktiengesellschaft für Versorgungs-Unternehmen: „Ja, wir haben einiges zum Teil sogar hochgradig automatisiert im Bereich der Versorgungsindustrie, der Ablesung und des Messstellenbetriebs. Es ist eine Möglichkeit, dies auch noch komplett in die Cloud zu legen, weil die Mitarbeiter vor Ort mit mobilen Geräten unterwegs sind und natürlich dann aus der Cloud in Realtime die entsprechenden Informationen abrufen können und auch mit neuen Informationen gefüttert werden.“

Sascha Günnel von der Sächsischen Lotto GmbH beschreibt in seinem Haus eine ähnliche Situation: „Derzeit arbeiten wir daran, unsere wesentlichen dokumentenbasierten Prozesse in ein zentrales Dokumentenmanagementsystem zu überführen. Bisher haben wir noch keine Prozesse in die Cloud ausgelagert. Aber Cloud ist eine denkbare Option für ein potenzielles DMS in unserem Unternehmen.“

Keine Cloud-Nutzung ohne Integration

Der Schritt in die Cloud ist – wenn auch immer mehr Unternehmen ihn schon vollziehen – mit Herausforderungen verbunden.  Eine essentielle Aufgabe bleibt die Integration. Traditionell kämpfen Unternehmen seit jeher mit Daten- bzw. Applikationssilos. Dieses Problem wird nicht selten durch die Cloud verschärft, weil weil es dort einen noch viel größeren Strauß an Applikationen, Lösungen und Daten gibt, die miteinander integriert werden müssen.

Akzeptanz und Datenschutz als Herausforderungen

Befragt nach wesentlichen Herausforderungen – oder Hemmnissen – für die Cloud-Nutzung antworteten viele Teilnehmer auch mit dem Hinweis auf noch mangelnde Akzeptanz in der Organisation und Bedenken in Sachen Datenschutz und Datensicherheit. „Die jungen Leute, die Anwender sozusagen, kennen eigentlich nichts anderes. Ob das in der Cloud läuft oder auf dem eigenen Rechner, ist eigentlich vollkommen wurscht.“ Aber den juristischen, formalen Voraussetzungen in Deutschland und in der EU in Sachen Datenschutz zu entsprechen, um die Cloud dann einführen zu können – das, erklärt Schwätzer, sei das aktuell wohl größte Problem für seinen Betrieb.

Vorbehalte ausräumen

Stefan Wolf von Infrest Infrastruktur eStrasse berichtet dagegen, dass gerade die Zerstreuung von Datenschutzbedenken für mehr Akzeptanz sorgt: „Wir haben die Erfahrung gehabt, dass es viel Widerstand oder Bedenken von den Menschen gibt, die mit den verschiedenen Anwendungen oder Werkzeugen zu tun haben, die dann in die Cloud outgesourct werden. Wir haben aber auch gemerkt, dass wir gerade durch Vereinheitlichung von Datenschutz durch die EU-Datenschutzgrundverordnung viele der Bedenken ausräumen konnten.“ Am Ende, so Wolf, seien die Vorbehalte dann sogar relativ schnell zurückgegangen.

Die Zukunft der Digitalisierung: dezentral und sicher

Die „forconference“ hat gezeigt, dass die meisten Teilnehmer in der Cloud doch die Zukunft für ihre Digitalisierung und Prozessautomatisierung sehen, gerade im Kontext ihrer dokumentenbasierten Prozesse. Einig waren sich die Teilnehmer über die zentralen Vorteile der Cloud-Lösungen: Skalierbarkeit, Kosteneffizienz und Zugriff auf State of the Art-Technologie sind bei sehr vielen die zentralen Gründe für den Schritt in die Cloud. Befragt nach drei Begriffen, die ihm zum Thema Cloud-Software spontan in den Kopf kämen, brachte es Sascha Günnel von der Sächsischen Lotto abschließend so auf den Punkt: „Dezentral. Sicher. Schnell.“

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