Ranking: Die innovationsstärksten Autokonzerne – die Deutschen bleiben (noch) vorn

Die Rekordwerte der Innovationstätigkeit der globalen Automobilhersteller markieren eine Zeitenwende in der Branche. Die innovationsstärksten Automobilhersteller kommen immer noch aus Deutschland. Aber die Konkurrenz aus Amerika und Asien wird deutlich stärker. So ist der Anteil der deutschen Hersteller an den gesamten Innovationen der Branche von 40 Prozent in 2013 auf aktuell 32,6 Prozent gesunken, der niedrigste Wert seit dem Jahr 2008. Das ist das Ergebnis der Studie „Automotive INNOVATIONS 2016“, die die Innovationen von 20 globalen Automobilkonzernen und 63 Herstellermarken im 11. Jahr in Folge ausgewertet hat.

Im Jahr 2015 gingen 1.516 Neuerungen in die Bewertung ein, was ein neues Allzeithoch darstellt (Vorjahr 1.254). Jede einzelne Innovation, definiert als Verbesserung des Kundennutzens, wird anhand ihres Innovations- und Reifegrads nach gleichem Muster gewichtet (MOBIL-Ansatz). Aus der Summe der gewichteten Einzelinnovationen wird das Ranking der Hersteller errechnet.

Das Ranking der innovationsstärksten Automobilkonzerne führt im Jahr 2015 der Volkswagen Konzern mit einem Indexwert von 282 Punkten und einem Rekordwert von 317 Innovationen klar an, zu dem vor allem die Marken Audi und Volkswagen beitragen.

Hoch bewertete Innovationen sind etwa der Prädiktive Effizienzassistenz im Audi Q7 oder der Plug-in Hybrid im VW Passat GTE. BMW verbessert sich mit 119 Punkten auf Rang 2 (Vorjahr 4) auch dank vieler Weltneuheiten der neuen BMW 7er Baureihe wie den Garageneinparkassistent. Daimler rutscht zwar einen Platz nach unten auf Rang 3 (111 Punkte), generiert jedoch weiterhin viele wegweisende Innovationen, u.a. die Car2Car-Kommunikation zur Gefahrenwarnung in der neuen E-Klasse. Die deutschen Hersteller bleiben auch im Jahr 2015 die Innovationsführer: Von insgesamt 1.516 Welt-, Konzern- und Markenneuheiten konnten 179 als „Weltneue Innovationen“ identifiziert werden. Davon entfallen auf Volkswagen (inkl. Audi) 56 Weltneuheiten, auf Daimler 23 und BMW 21 Weltneuheiten. Allerdings folgen Tesla und Tata (JLR) mit jeweils 18 bzw. 17 weltneuen Innovationen bereits knapp hinter den deutschen Herstellern. Die nachfolgenden Konzerne GM und Ford bringen es dagegen nur auf jeweils 7 Weltneuheiten.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Insgesamt ist die Branche von einer noch nie dagewesenen Innovationsdynamik geprägt, bei der die Neuerungen immer schneller auf Marken und Segmente diffundieren. Technologievorsprünge reduzieren sich immer mehr zu kurzen Momentaufnahmen.“



Zu den großen Gewinnern und Überraschungen des Jahres zählt der kalifornische Hersteller Tesla, der nach der hohen Platzierung im Vorjahr (Rang 14) erstmals in die Top-10 der innovationsstärksten Hersteller kommt. Der Elektrospezialist erreicht mit 42 Innovationen einen Wert von 81 Punkten, dank vieler hoch bewerteter Weltneuheiten. Damit hat Tesla deutlich vor Mazda und BMW auch die höchste Innovationsintensität, gemessen an der durchschnittlichen Stärke pro Innovation. Zu den hoch bewerteten Innovationen zählen etwa der Autopilot oder der Spurwechselassistent im Tesla S, die durch ein Over-the-Air Softwareupdate aktiviert werden können.

Zu den weiteren Gewinnern im Ranking der innovationsstärksten Konzerne zählen in diesem Jahr General Motors und Hyundai, die sich aufgrund vieler (Konzern-)Neuheiten auf Rang 4 (Vorjahr 6) bzw. Rang 5 (Vorjahr 7) verbessern können. GM punktet vor allem mit Assistenzsystemen, während Hyundai mit alternativen Antrieben (ix35 Fuel Cell, Sonata Plug-In-Hybrid) auf sich aufmerksam machen kann, aber keine Weltneuheit hervorbringt. Ford und Tata (u.a. JLA) können ihre sehr guten Platzierungen des Vorjahres dagegen nicht halten: Ford rutscht ab auf Rang 6 (Vorjahr 3) und Tata auf Rang 7 (Vorjahr 5). Allerdings gehört Tata-JLR in den erlesenen Kreis von fünf Konzernen, die eine zweistellige Zahl von Weltneuheiten (17) hervorbringt. Stark verbessert zeigt sich in diesem Jahr auch PSA, die sich auf Rang 8 (Vorjahr 10) vorschieben können, u.a. dank sehr energieeffizienter Antriebssysteme.

Zu den Verlierern und Absteigern zählt vor allem Toyota, die mit Rang 12 (Vorjahr 11) die schlechteste Platzierung seit Einführung des Innovationsranking im Jahr 2005 erreichen. Bis zum Jahr 2012 rangierte Toyota – mit einer Ausnahme (2008: Rang 8) – sogar immer in den Top-5 der innovationsstärksten Konzerne und generierte viele wegweisende Neuerungen. Mit einer aktuellen Indexstärke von nur 61 Punkten (62 Innovationen) kommt der weltweit absatzstärkste Automobilkonzern nur mehr noch auf die Hälfte des Wertes von BMW oder Daimler und landet hinter Tesla und Renault.



Weiter verschlechtert zeigt sich auch der nach Fahrzeugabsatz achtgrößte Automobilhersteller FiatChrysler (FCA), der auf Rang 15 (Vorjahr 12) abrutscht, die schlechteste Platzierung seit 2008. Geely-Volvo kann die bislang beste Platzierung des Vorjahrs (Rang 8) nicht halten und kommt nur noch auf Rang13. Renault (Rang 11) sowie Allianzpartner Nissan (14) können sich jeweils um zwei Plätze verbessern, bleiben jedoch im Vergleich zu den Wettbewerbern und den Innovationsleistungen der Vorjahre schwach. Die kleineren japanischen Hersteller Suzuki, Mitsubishi, Subaru sowie der chinesische Hersteller BAIC belegen die hintersten Plätze des Top-20 Innovationsranking.

Die rund 1.500 Innovationen verteilen sich ungleich auf die Technologiefelder: Ein absoluter und relativer Rekordwert von 28 Prozent der Neuerungen entfällt auf Sicherheits- bzw. Fahrerassistenzsysteme (Vorjahr 25%). Konventionelle Antriebsinnovationen, wie Effizienzverbesserungen von neuen Motoren, sind mit 17 Prozent (Vorjahr 21%) stark rückläufig und nur noch rund halb so hoch wie im Spitzenjahr 2010 als diese noch 32 Prozent aller Innovationen umfassten. Alternative Antriebsinnovationen steigen zwar in absoluten Zahlen, ihr Anteil bleibt aber bei nur 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr erhöht sich die Zahl von Innovationen bei reinen Elektrofahrzeugen (BEV) von 13 auf 29 sowie die PHEV-Neuerungen von 21 auf 34. Auf Informations- und Kommunikationssysteme sowie auf Bedien- und Anzeigesysteme entfallen mit jeweils 13 Prozent ähnlich viele Neuerungen wie im Vorjahr. Der Bereich Interieur zeigt sich leicht stärker mit 6 Prozent der Innovationen.

Studienleiter Stefan Bratzel: „Der sich vollziehende Technologiewandel verlangt auf Seiten der Automobilhersteller zunehmend den Mut zum Technologiebruch. Statt kosten- und zeitintensive Parallelentwicklungen voranzutreiben, müssen die Hersteller künftig ihre F&E-Ressourcen viel stärker auf kundenrelevante Zukunftsfelder fokussieren. Die Konvergenz der zentralen Trends Elektromobilität, Digitalisierung und Autonomes Fahren hat dabei einen selbstverstärkenden Effekt und eröffnet dabei völlig neue Geschäftsmöglichkeiten. Sie wird zu disruptiven Veränderungen führen und neue Wettbewerber hervorbringen.“

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