Teilen statt Kaufen – Wie die Sharing Economy die deutsche Wirtschaft verändert

Neben Big Data, Datensicherheit und Digitalisierungsstrategien von traditionellen Geschäftsmodellen, spielt auch die Sharing Economy sowie alles was damit zusammenhängt eine zentrale Rolle bei der digitalen Transformation, die uns alle betrifft. Über den Einfluss, die Herausforderungen sowie die Zukunftsperspektiven dieser sich rasant entwickelnden Ökonomie des Teilens diskutierten rund 80 Vertreter von Sharing Economy Unternehmen sowie Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf der gemeinsamen Fachkonferenz „Sharing Economy in Deutschland – Wirkung und Nachhaltigkeit neuartiger Formen des Wirtschaftens“ des MÜNCHNER KREIS e.V., des Institute for Digitization Research e.V. und des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungskonsortiums i-share.

Den Hintergrund der Konferenz in Augsburg bildete das Forschungsprojekt i-share, das von den Universitäten Mannheim, Göttingen und Augsburg sowie der Hertie School of Governance getragen wird. Im Rahmen des Projektes wird untersucht, welchen Beitrag Geschäftsmodelle der Sharing Economy zum nachhaltigen Wirtschaften in Deutschland leisten. „Wir wollen wissen, wie sich die Digitalisierung auf ökonomische Prozesse auswirkt und wie sich umgekehrt ökonomische Prozesse auf die Digitalisierung auswirken. Da sich die ‚Wirtschaft des Teilens‘ nicht mit bisherigen Indikationssystemen erfassen lässt, wollen wir definieren, was die Sharing Economy in Deutschland ausmacht, welchen gesamtgesellschaftlichen Beitrag sie leistet und was die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen dieser neuen Form des Wirtschaftens sind“, skizzierte Prof. Dr. Daniel Veit von der Universität Augsburg, der das Forschungsprojekt seitens des Projektpartners Universität Augsburg betreut.




Technologie als Basis einer erfolgreichen Sharing Economy

In den Fachvorträgen beleuchteten die Referenten erste Ergebnisse: Prof. Dr. Indre Maurer von der Universität Göttingen stellte verschiedene Ansätze zur Steuerung von Communities in Sharing Economy Organisationen vor und betonte dabei die Bedeutung des Community Management: „Funktionierende Communities sind für viele Geschäftsmodelle eine zentrale Voraussetzung, da durch sie Anbieter und Nachfrager für Teil- und Tauschprozesse zusammenkommen. Aufgrund der Vielfalt an Geschäftsmodellen in der Sharing Economy wird das Community Management zu einer wichtigen, aber herausfordernden Aufgabe für diese Organisationen.“ Anschließend beleuchtete Prof. Dr. Daniel Veit die Rolle der Technologie in diesen Unternehmensformen: „Für den Erfolg von Sharing Economy Organisationen zeichnen sich drei Bereiche verantwortlich: Die geschäftsmodelltragende Rolle der Informationstechnologie, das Nutzererlebnis – gekennzeichnet durch Flexibilität, Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit – sowie langfristige Partnerschaften, die helfen das Werteversprechen einzuhalten und darüber hinaus der Absicherung von Ressourcen und Infrastrukturen dienen.“

Prof. Steve Elliot von der University of Sydney gab einen Überblick über die Sharing Economy Landschaft in Australien, wo die „Collaborative Consumption“ bereits als erheblicher Wachstumsfaktor der Wirtschaft anerkannt ist. Er stellte ein Kategorisierungssystem vor, demzufolge soziale und Nachhaltigkeitsaspekte sowie Altruismus bei Neugründungen von Sharing Economy Unternehmen immer mehr in den Fokus rücken.
Fabien Nestmann vom Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen Uber beleuchtete die Unternehmensperspektive. Er forderte von der Politik im Bereich der Mobilität nicht nur Verbote zu erteilen und mit detaillierten Regulierungen neue Geschäftsmodelle zu hemmen, sondern Neues zu fördern, damit Deutschland bei der Digitalisierung endlich zu den USA aufschließen könne.

Die Politik muss handeln

Sowohl in den Workshops als auch in der abschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Deutschland offener für innovative Sharing Geschäftsmodelle werden muss. Das Teilen und Tauschen selbst ist keine neue Idee, doch eröffnen sich durch die Digitalisierung neue Wege und Möglichkeiten für die gemeinsame Nutzung von Ressourcen. Dass es für diese neuen Formen des Teilens Regelungen bedarf, machte Prof. Dr. Michael Dowling, Vorstandsvorsitzender des MÜNCHNER KREIS, deutlich: „Innovative Geschäftsmodelle von Sharing Organisationen sind häufig in Deutschland aufgrund starrer Regulierung in der Praxis nicht umsetzbar. Hier muss der Gesetzgeber mit Augenmaß tätig werden.“ Insbesondere Unternehmensvertreter erhoffen sich von der Politik zügig implementierte Richtlinien, die eine grobe Richtung vorgeben, sich aber nicht in Einzelheiten verlieren. Nur so kann sich das zweifelsohne vorhandene Potenzial entfalten und deutsche Unternehmen können auf einem Markt bestehen, der durch beschleunigte Innovationszyklen gekennzeichnet ist.

Im Mobilitätssektor spielt das Teilen beispielsweise mittlerweile eine zentrale Rolle. Junge Unternehmen wie Uber und BlaBlaCar sehen sich dabei nicht als Konkurrenten des öffentlichen Nahverkehrs, sondern wollen diesen ergänzen und mithilfe ihrer Angebote die Mobilität und das Erlebnis der Nutzer verbessern. Es wurde sogar angeregt, dass der Staat eine neutrale Mobilitätsapp zur Verfügung stellen könne, in der ÖPNV und neue alternative Angebote integriert sind. Als weiteren Grund für Deutschlands Rückstand bei der Gründung von Sharing Economy Unternehmen identifizierten die Teilnehmer das fehlende Venture Capital. Prinzipiell müsse es darum gehen, das gesellschaftliche Anliegen nach überschaubaren, menschlicheren und nachhaltigeren Wirtschaftsformen aufzugreifen und umzusetzen.

In seinem Schlusswort gab Daniel Veit einen Ausblick auf den nächsten Teil der i-share Studie. So sollen Anfang des kommenden Jahres konkrete Ergebnisse auf Basis der derzeit laufenden Phase der Datenerhebung auf der Website http://www.i-share-economy.org veröffentlicht werden.

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