VDMA: Digitalisierung der Industrie geht nur mit Europa

Anlässlich der IT-Messe CeBIT in Hannover (14. bis 18. März) steht die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Aus Sicht des deutschen Maschinenbaus kann die Digitalisierung der Wirtschaft nur in Zusammenarbeit unter den EU-Staaten gelingen. Der VDMA unterstützt die Sicht von EU-Digitalkommissar Günther Oettinger, der in seiner Eröffnungsrede zur CeBIT die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes für die Verbreitung digitaler Technologien betont hat.

„Die Unternehmen brauchen einen umfassenden Binnenmarkt, um innovative Technologien ungehindert in ganz Europa verkaufen zu können. Nur mit einem starken Heimatmarkt im Rücken können die deutschen Anbieter auch im globalen Wettbewerb erfolgreich sein. Industrie 4.0 muss daher europäisch gedacht werden“, sagt Holger Kunze, Leiter des VDMA European Office. „Die Digitalisierung der Industrie stellt auch die Politik vor ganz neue Herausforderungen.



In der Industrie 4.0 verschmelzen physische und digitale Güter.

Eine Trennung in einen digitalen und einen traditionellen Binnenmarkt, wie wir sie bisher gesehen haben, kann es in Zukunft nicht mehr geben.“ Mit Blick auf die Investitionsgüterindustrie wird dabei deutlich, dass für eine erfolgreiche Digitalisierung der Industrie die IT den Bezug zur Produktionstechnologie herstellen muss: „Die Digitalisierung braucht die Anwenderperspektive, nur dann ist das Zusammenwirken von IT und Maschinen in der Industrie 4.0 erfolgreich. Neue Digitalisierung-Lösungen müssen daher den Bedarf und die tatsächlichen Anwendungsrealitäten der Maschinen- und Anlagenbauer mitdenken“, sagt Rainer Glatz, Geschäftsführer der Fachverbände Elektrische Automation und Software im VDMA.

Vorhandene ERP-Systeme von hohem Wert

Zudem wird mit Blick auf die Produktion die Bedeutung vorhandener Unternehmenssoftwarelösungen und insbesondere von ERP-Systemen deutlich. Diese Systeme haben für die Umsetzung von Industrie 4.0 im Unternehmen einen hohen Wert, denn sie sind funktional ausgereift und leistungsfähig. Dazu Glatz: „Der erste Blick der Unternehmen sollte auf den eigenen IT-Bestand gerichtet sein. Die Frage lautet: Welche Systeme sind vorhanden und welchen Mehrwert können sie zur Vernetzung in der Produktion und im Unternehmensverbund erbringen? Denn ERP-Systeme werden auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Koordination von Wertschöpfungsprozessen leisten.“

Software AG auf der CeBIT: „Digitalisierung – die ganze Geschichte“

Von der Datenspeicherung über Predictive Analytics zum dynamischen Unternehmen – die Software AG und ihre Partner zeigen auf der CeBIT 2016 Technologie, Services und Lösungen zur Digitalisierung von Geschäftsabläufen und Geschäftsmodellen.

Die Software AG stellte heute ein umfassendes Produkt-, Service- und Lösungsportfolio vor, mit dem Unternehmen die Transformation zum digitalen Unternehmen bewältigen und beschleunigen können. Das Unternehmen präsentiert auf der CeBIT, der weltweit wichtigsten IT-Messe, digitale Transformationsprojekte, seine führende Digital Business Platform sowie wegweisende Kundenanwendungen. Basierend auf den Erkenntnissen, die sie in Co-Innovationsprojekten mit wichtigen Kunden gewonnen hat, unterstützt die Software AG gemeinsam mit zahlreichen innovativen Partnern Unternehmen in jeder Phase der Digitalisierung.

„Führungskräfte müssen heute eine Digitalisierungsstrategie für das Unbekannte festlegen. Das ist ihre größte Herausforderung. Mit unserer Erfahrung, unserer branchenführenden Technologie, die wir in der Digital Business Platform gebündelt haben, und mit unserem auf einen schnellen Nutzen ausgerichteten Co-Innovationskonzept können Unternehmen jetzt zuversichtlich die digitale Transformation angehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Software AG Karl-Heinz Streibich. „Wir selbst sind diesen Weg gegangen und haben unser Produkt- und Serviceportfolio in den letzten drei Jahren erweitert, damit wir auf sich rasch ändernde Digitalisierungstrends sicher reagieren können.“

Auf der CeBIT zeigt die Software AG ihre Digital Business Plattform: die Softwareplattform für sich wandelnde Märkt und agile Geschäftsabläufe. Das Produktportfolio der Software AG verschafft Unternehmen eine digitale Echtzeit-Rundumsicht auf ihren Geschäftsbetrieb und ermöglicht es ihnen, mit digitaler Technik innerhalb kürzester Zeit auf Geschäftsereignisse zu reagieren. Diese hoch moderne Softwareplattform ist der Grundpfeiler des digitalen Unternehmens. Anders als statische Anwendungssysteme, die auf Standardgeschäftslogik basieren, ist die dynamische Digital Business Plattform dafür ausgelegt, Differenzierung, Innovation und Agilität zu unterstützen.

Die Digital Business Platform liefert die Ebene zwischen dynamischen Märkten und agilen Betriebsabläufen und ist der gemeinsame Nenner von Geschäfts- und IT-Strategie. Mit ihr können flexible und anpassbare Anwendungen entwickelt werden, die dem konstanten Wandel standhalten.

Sie dient der Steuerung der technischen und fachlichen Seite
Sie integriert On-Premise- und Cloud-Anwendungen nahtlos
Sie erlaubt das Design neuer dynamischer und automatisierter Geschäftsprozesse
Sie ermöglicht die Entwicklung agiler und jederzeit an geänderte Anforderungen anpassbarer Anwendungen
Sie verarbeitet Echtzeit- und historische Daten mithilfe von In-Memory-Technologie und Complex Event Processing.

„Standardanwendungen bieten nicht die Flexibilität und Geschwindigkeit, die der kontinuierliche Wandel durch die Digitalisierung erfordert. ERP-Anwendungen wurden für statische Backoffice-Prozesse entwickelt. Die Digital Business Platform dagegen ist für dynamische Marktbedingungen geschaffen“, so Dr. Wolfram Jost, Chief Technology Officer der Software AG. „Co-Innovation und die direkte Zusammenarbeit mit innovativen Kunden im Rahmen von Digitalisierungsprojekten sind es, die sicherstellen, dass die Digital Business Platform jederzeit den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung gewachsen ist.“



Die Digital Business Platform entwickelt sich auch mehr und mehr zum Rückgrat für Unternehmen, die das industrielle Internet nutzen. Die Software AG unterstrich, dass aus der Analyse von Echtzeitdaten aus Sensoren, externen Ereignissen und Vertriebskanälen einerseits und der Fähigkeit, schnell die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, andererseits, ein stetig wachsender Geschäftsnutzen erwächst.

Eric Duffaut, Chief Customer Officer der Software AG, fasst die Bedeutung der Digital Business Platform zusammen: „Immer mehr Kunden sprechen davon, dass sie den digitalen Wandel annehmen müssen, wenn sie nicht von ihm hinweggefegt werden wollen. Sie sehen, dass die Eintrittsschwellen für aggressive Konkurrenten aus ihrer Branche selbst und für branchenfremde Konkurrenten sinken. Sie sehen aber auch die unglaublichen Geschäftschancen, die sich täglich auftun. Sie sehen im industriellen Internet den Durchbruch für die Digitalisierung – seine Auswirkungen auf die Wirtschaft werden alles, was wir bisher gesehen haben, in den Schatten stellen. Unsere Partner und wir haben zugehört und können jedem Unternehmen helfen, den besten Weg in die Digitalisierung und das industrielle Internet zu finden.”

Roland Berger: Banken und Versicherungen brauchen nachhaltige digitale Strategien

Banken und Versicherungen gehören zu den Unternehmen mit dem höchsten Digitalisierungspotenzial, denn sie sammeln, verarbeiten und verknüpfen seit jeher Kunden- und Transaktionsdaten. Dennoch tun sich viele Finanzdienstleister schwer, ihre Geschäftsprozesse konsequent und durchgängig, also vom Frontend bis zum Backend, zu digitalisieren. So sind Kunden immer noch mit Anträgen auf Papier, manuellen Prozessen und Bearbeitungswegen und entsprechenden Wartezeiten konfrontiert und werden nicht frühzeitig bei ihren Anliegen abgeholt.

Die Folge: Neue, technologiegetriebene Anbieter (Online-Plattformen, FinTechs) erobern mit kundenfreundlichen digitalen Angeboten einzelne Marktsegmente, während die etablierten Finanzdienstleister im Wettbewerb zurückfallen oder sogar verdrängt werden. So hat sich der Marktanteil von Finanzvermittlern beim Vertrieb von Baufinanzierungen seit 2010 von 17 auf 35 Prozent mehr als verdoppelt. Das zeigt die neue Studie „Plan D – konsequent digital: Wie Finanzdienstleister durch End-to-End Digitalisierung ihre Zukunft sichern“, in der Experten von Roland Berger die Branche analysieren und darstellen, welche Handlungsschritte die etablierten Finanzdienstleister jetzt ergreifen sollten, um die digitale Transformation erfolgreich zu schaffen.

Digitale Wettbewerber haben große Wettbewerbsvorteile

„Kunden sind es heute gewohnt, online zu recherchieren und zu kaufen“, sagt Wolfgang Hach, Partner von Roland Berger. „Diese Erfahrung übertragen sie auch auf die Finanzbranche: Sie erwarten von Finanzdienstleistern digitale Produkte und Dienstleistungen, die schnell, einfach und jederzeit verfügbar sind.“



Diesen Kundenwunsch erfüllen neue Wettbewerber, die den Markt erobern und mit ihren digitalen Geschäftsmodellen bestehende Wertschöpfungsketten von Grund auf verändern. Sie sind häufig technologiegetrieben und unterliegen nicht den strengen regulatorischen Anforderungen für Banken und Versicherungen. Ein Wettbewerbsvorteil, der durch den Abbau von Markteintrittsbarrieren auf EU-Ebene, etwa die qualifizierte elektronische Signatur ab Mitte 2016, weiter an Gewicht gewinnen wird. „Außerdem kämpfen viele traditionelle Finanzinstitute mit veralteten IT-Infrastrukturen, komplexen Produkten und heterogenen Prozessen“, ergänzt Sebastian Steger, Digitalisierungsexperte von Roland Berger.

Insellösungen reichen nicht, um Effizienz und Kundenbindung zu verbessern

Für die traditionellen Anbieter drängt daher die Zeit. Um den Anforderungen der online-affinen Kunden gerecht zu werden, haben viele Finanzdienstleister zwar schon digitale Angebote entwickelt. Doch meist sind dies Insellösungen – etwa eine neue Website mit modernem Layout und zusätzlichen Online-Diensten oder eine App. „Das reicht nicht aus, um die Effizienz und Kundenbindung zu verbessern. Denn die digitale Transformation geht weit über punktuelle Optimierungen hinaus“, sagt Steger. Durch eine vollständige Automatisierung von einfachen Produkten und Prozessen könnten 40 bis 50 Prozent der heute hierfür eingesetzten Kapazitäten eingespart werden, teilweise sogar darüber hinaus.

Die etablierten Finanzdienstleister befinden sich daher in einer kritischen Übergangsphase und sollten schnell mutige Entscheidungen treffen. „Ein Neustart ist möglich, denn die Unternehmen können nach wie vor auf eine große Kundenbasis, Kundenvertrauen und das Know-how ihrer Mitarbeiter bauen“, blickt Roland Berger-Partner Hach optimistisch nach vorne. Allerdings wird die umfassende digitale Transformation für stärkere Umwälzungen sorgen als jeder andere Wandel in den vergangenen Jahrzehnten. Am Ende stehen besonders im Retail-Bereich weitgehend digitale Prozesse und ein Geschäftsmodell, das deutlich flexibler, offener, kundenfreundlicher und effizienter ist als das heutige.

Sieben Schritte für eine erfolgreiche End-to-End-Digitalisierung

Hierfür müssen die Finanzdienstleister einen umfassenden digitalen Umbau vollziehen, mit flexiblen Kundenschnittstellen vom Frontoffice bis hin ins Backoffice und Geschäftsprozessen, die für Online-Interaktionen mit Kunden und externen Partnern offen sind. Dafür haben die Roland Berger-Experten einen „Plan D“ in sieben Schritten entwickelt:

Digitalisierungspotenziale identifizieren: Einfache, standardisierte Produkte eignen sich besonders gut für den Start in die Digitalisierung. Anhand dieser „Leuchtturmprojekte“ werden dann mögliche Einsparpotenziale ermittelt und die Basis für weitere Digitalisierungsmaßnahmen geschaffen. Ziele festlegen: Die Ziele werden auf Basis des typischen Einkaufsverhaltens (wann und wie informiert sich der Kunde; wann und wie nimmt er das erste Mal Kontakt auf; wann schließt er das Geschäft ab) ermittelt. Dabei sollen alle Prozessschritte so miteinander verknüpft werden, dass keine Brüche entstehen und die Verarbeitung weitgehend digital und automatisiert ablaufen kann.



Relevante Unternehmenseinheiten einbinden: Um die notwendige technische Modernisierung aufzusetzen, sollten wichtige Einheiten wie Vertrieb oder Produktentwicklung eingebunden werden. So kann das Unternehmen IT-Investitionen gezielt mit strategischen Ambitionen verknüpfen. Nachhaltige Digitalisierungsstrategie entwickeln: Neben Produkten und Prozessen sollten Firmen auch ihre Steuerungs-, Risiko- und Reportinginstrumente digitalisieren. Zudem sollten sie ihre Strategie regelmäßig überprüfen und flexibel anpassen.

Handhabbare Arbeitspakete bilden: Die Umsetzung sollte schrittweise erfolgen. So können Unternehmen vermeiden, ihre Organisation zu überfordern. Zeitgleich können sie ihre Mitarbeiter für den digitalen Wandel besser vorbereiten. Produktangebot modularisieren: Um die Digitalisierung umfassender zu nutzen, sollte das Produktportfolio anhand standardisierter Bausteine ausgerichtet werden. Auf dieser Basis lassen sich Angebote besser flexibilisieren und individualisieren – sowohl im Privatkunden- als im Firmenkundengeschäft.

Leistungsfähigkeit rund um die Uhr: Produktangebote und Transaktionsmöglichkeiten sollten Tag und Nacht verfügbar sein. Das erfordert eine enge Einbindung aller Beteiligten in den digitalen Informations- und Transaktionsfluss, um schnelle Rückmeldungen oder automatisierte Entscheidungen zu ermöglichen. „Die Digitalisierung stellt die Finanzbranche vor große Herausforderungen. Nur wenn Finanzdienstleister den digitalen Umbau schnell angehen und konsequent als End-to-End-Lösung vorantreiben, werden sie künftig im harten Wettbewerb mit neuen, digitalen Anbietern bestehen können“, fasst Wolfgang Hach zusammen.

Die Studie können Sie hier herunterladen:
http://www.rolandberger.de/pressemitteilungen/

Volkswagen will Digitalisierung zum Top-Thema machen

Der Volkswagen Konzern setzt auf dem Genfer Automobilsalon klare Signale für die Mobilität der Zukunft. Vorstandsvorsitzender Matthias Müller kündigte auf dem Konzernabend drei neue „Volkswagen Group Future Center“ an – in Europa, Asien und Kalifornien. Dort werden Designer und Digitalisierungsexperten gemeinsam das Auto der Zukunft entwickeln. Müller: „Wir stellen unser Konzerndesign für das digitale Zeitalter neu auf.“ Zudem wurde eine Offensive für das „Autonome Fahren“ auf den Weg gebracht. Ziel ist, diese Kerntechnologie schneller als der Wettbewerb zur Marktreife zu führen.

Die beiden Richtungsentscheidungen unterstreichen die Überzeugung des Konzerns, dass sich mit der Digitalisierung neue Geschäftsfelder und Umsatzpotenziale eröffnen. Müller: „Für den Volkswagen Konzern rückt die digitale Transformation deshalb ganz nach oben auf der Agenda.“ Schlüssel zum Erfolg sei, die automobile und die digitale Welt „so zu verbinden, dass Kunden, Gesellschaft und Wirtschaft davon profitieren.“ Exzellente Autos zu bauen werde in Zukunft aber allein nicht ausreichen. Der Volkswagen Konzern habe die Zeichen erkannt. Müller: „Wir wollen den Wandel, wir treiben ihn voran.“




Für den Wandel stand beim Konzernabend auch der Auftritt von Johann Jungwirth, der seit November 2015 im Volkswagen Konzern den Bereich „Digitalisierung“ leitet. Jungwirth machte deutlich, wohin die Neuausrichtung des Konzerns zielt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir bis 2025 zum führenden Mobilitätsanbieter avancieren werden.“ Dafür werde sich der Volkswagen Konzern „zum Teil zu einem Software- und Services-Konzern“ entwickeln. Der große Vorteil für Volkswagen liege mit Blick auf die Mobilität der Zukunft darin, dass „wir die Hardware – sprich: den Autobau – bereits perfekt beherrschen.“

Der Volkswagen Konzern wird die Bereiche Digitalisierung und Design stärker verzahnen – ein für die Automobilindustrie wegweisender Schritt. Die drei „Volkswagen Group Future Center“ werden in Potsdam, in Kalifornien und in China angesiedelt. Dort werden Designer und Digitalisierungsexperten Hand in Hand am Auto der Zukunft arbeiten. Das Ziel: Die Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns sollen bei Kundenerlebnis, Interface-Design, Bedienlogik, neuen Innenraumkonzepten sowie Info- und Entertainment „Best-in-Class“ sein. Die Leitung des Konzernbereichs Design hat seit Januar Michael Mauer. Die Neuausrichtung erfolgt im engen Schulterschluss mit dem Konzernbereich Digitalisierung. Das Studio in Potsdam hat seine Arbeit in der neuen Ausrichtung bereits aufgenommen. Über die Standorte der neuen Center in Kalifornien und Asien wird in Kürze entschieden.

Die Zukunft zu gestalten gelinge aber nur, betonte Konzernchef Müller, „wenn wir zugleich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“ Für den Volkswagen Konzern sei das laufende Jahr daher eine entscheidende Etappe: „2016 ist das Jahr, in dem wir das Problem mit unseren Diesel-Motoren für die Kunden lösen wollen, und den Konzern für die Zukunft neu ausrichten.“ Damit werde das Fundament für einen starken Konzern gelegt, so Müller in Genf: „Dieser doppelten Aufgabe stellen wir uns – mit dem nötigen Respekt, aber auch in der festen Zuversicht, dass dieser Konzern mit seinen Marken gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgehen kann und wird.“

Die Aufarbeitung der Abgasthematik komme gut voran, die Rückrufaktion sei in Europa erfolgreich gestartet: „Im Mittelpunkt der Aktion stehen für uns die Kunden. Für sie wollen und werden wir den Werkstattbesuch so effektiv wie möglich gestalten.“ Müller bekräftigte zudem, dass der Konzern in absehbarer Zeit einen substanziellen Bericht zum Stand der Aufklärung der Vorkommnisse vorlegen werde: „Und wir werden die richtigen Konsequenzen aus den Erkenntnissen ziehen.“



Auch die Elektromobilität treibt der Konzern weiter voran. Aktuell hat der Volkswagen Konzern neun Elektroautos und Plug-In-Hybride im Programm. Bis 2020 kommen 20 zusätzliche Modelle hinzu. „Rein elektrische Reichweiten von mehr als 500 km sind bis Ende des Jahrzehnts machbar. Die Ladezeiten werden auf die Dauer einer Kaffeepause sinken. Und auf lange Sicht wird das Elektroauto weniger kosten als ein Auto mit Verbrenner“, so Müller. Allerdings brauche es eine gemeinsame Kraftanstrengung von Wirtschaft und Politik, vor allem beim Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur, damit sich die E-Mobilität schneller am Markt durchsetzen könne.

Auf dem Weg dahin wird es noch einige Jahre eine Koexistenz neuer Antriebe und herkömmlicher Verbrennungsmotoren geben, machte der Konzernchef in Genf klar. Müller: „Unsere Ingenieure haben faszinierende Technologien entwickelt: vom 3- bis zum 16-Zylinder, vom Erdgas bis zum effizienten Dieselantrieb. Auch hier gilt: Wir können und wir werden noch besser werden.“

Digitalisierung in der Volkswagen Logistik – Werk Wolfsburg setzt auf „intelligente Uhren“

Höhere Effizienz durch intelligente Prozesssteuerung – so sieht die Volkswagen Logistik der Zukunft aus.

Aktuell führt die Logistik im Werk Wolfsburg ein vierwöchiges Pilotprojekt zum Einsatz von Smart Watches, Tablet-Computern und RFID-Armbändern in der Kommissionierung sowie für Gabelstapler und Zugmaschinen durch. Werklogistik und Volkswagen Konzern IT haben dafür eine eigene spezifische App entwickelt.

Reinhard De Vries, Leiter Werklogistik Wolfsburg, sagte: „Wir arbeiten kontinuierlich an innovativen Logistiklösungen, die unsere Prozesse noch stabiler und schneller machen. Um unsere Produktivität weiter zu steigern, setzen wir verstärkt auf Digitalisierung, wie der Einsatz von 3D-Datenbrillen, Smart Watches und RFID-Systemen zeigt.“

Die Smart Watch, eine Armbanduhr mit Computerfunktionen, wird zur Optimierung der Prozesse in der Logistik getestet. Volkswagen setzt dabei das Modell „Ennox Enjoy Life“ ein. Die Uhr verfügt über eine Kamera, mit der Barcodes gescannt werden können. Über WLAN erhält der Mitarbeiter die Daten über die angeforderten Komponenten vom Server direkt auf das Display der Uhr. Dort werden alle notwendigen Informationen, wie beispielsweise der Entnahmeplatz oder die Teilenummer eingeblendet. Durch die Touchbedienung hat der Mitarbeiter während der Arbeit beide Hände frei, da er nicht mit einem Hand-Daten-Terminal (HDT) die Barcodes scannen muss.



Das Pilotprojekt wird im sogenannten „dynamischen Lager“ durchgeführt, in dem Material und Großladungsträger keine festen Stellplätze haben, sondern nach dem first-in-first-out (FIFO) Prinzip, gelagert werden. Bei dem FIFO Prinzip werden die Materialien, die zuerst eingelagert werden auch zuerst wieder aus dem Lager entnommen. Die Smart Watch kann dabei Daten schneller erfassen und verarbeiten als ein Barcode-Scanner und ist somit besser für die dynamische Warenlagerung geeignet.

Das zweite Pilotprojekt wird mit RFID-Armbändern durchgeführt. RFID steht für „Radio Frequency Identification Device“ und basiert auf dem berührungslosen Austausch von Informationen durch Funk. Über Funk-Etiketten können Materialien lokalisiert und registriert werden. Volkswagen setzt dieses Sender-Empfänger-System bereits seit 2009 erfolgreich in der Materiallogistik ein und überträgt das Prinzip jetzt auf die Materialkommissionierung.

Die Mitarbeiter tragen ein RFID-Armband und müssen keine Barcodes mehr aktiv scannen. Beim Griff in den Materialbehälter wird dem Mitarbeiter per Ton signalisiert, dass er das passende Teil entnommen hat und es über Funk registriert wurde. Ein Doppel-Ton ertönt bei der Entnahme von falschen Teilen. Der Vorteil dieses RFID-Systems ist die hohe Flexibilität und ein schneller und sicherer Prozess. Für den Mitarbeiter ist die Handhabung unkompliziert und wesentlich ergonomischer, weil er keinen Hand-Daten-Scanner mehr halten muss. Nicht nur für Brillenträger bieten die RFID-Armbänder im Vergleich zur 3D-Datenbrille eine echt Alternative.

Bestens bewährt hat sich bereits der Einsatz von Tablet-Computern: 30 Kommissionierwagen und 60 Gabelstapler sind inzwischen mit den mobilen Datengeräten ausgestattet. Neben Erfassung von Komponenten und Aufträgen gibt ein Navigationssystem, oder das dynamische Routing, zudem eine bessere Orientierung in den Hallen.

Aufgrund der intuitiven Handhabung benötigen die Mitarbeiter keine lange Einweisung in die Geräte. Die direkte Anbindung an die Stromversorgung des Gabelstaplers ermöglicht zudem lange Akkulaufzeiten.

Parallel werden Pilotprojekte für den Einsatz von Tablet-Computern in der Logistik an den Standorten Braunschweig, Kassel und Emden vorbereitet.

IT-Trends 2016: Digitalisierung spiegelt sich derzeit nicht in Innovations-Budgets wider

In diesem Jahr geben CIOs im deutschsprachigen Raum weniger Geld für Innovationen aus: Nicht nur das Budget für Neugestaltung und Ersatz der IT sinkt von anteilig 20,9 Prozent auf jetzt 16,6 Prozent, sondern auch die Ausgaben für die Evaluierung von Innovationen (2015: 9,1 Prozent, Budget 2016: 7,8 Prozent). Der Rückgang überrascht angesichts der Tatsache, dass 52,3 Prozent der CIOs den Ausbau der Digitalisierung als eines ihrer wichtigsten Ziele in diesem Jahr bezeichnen. Sie setzen dabei im Moment aber offenbar weniger auf Innovationen, sondern gehen die Digitalisierung über die Vernetzung von Informationen und Prozessen sowie die Analyse ihrer Daten an. Das zeigt die Korrelation zum Anstieg der Big-Data-Nutzung. Die Angaben wurden im Rahmen der jährlichen IT-Trends-Studie im September und Oktober 2015 von Capgemini erhoben. Insgesamt nahmen 153 IT-Verantwortliche von Großunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil, darunter 11 Firmen aus dem DAX-30.

„Viele Unternehmen stehen immer noch am Anfang der Digitalisierung und müssen ihre Initiativen priorisieren. Deshalb analysieren sie erst einmal ihre Daten, um Optionen für neue Geschäftsmodelle zu erarbeiten. Die Innovation folgt dann erst im zweiten Schritt“, interpretiert Dr. Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer bei Capgemini in Deutschland die Ergebnisse.

Fachkräftemangel behindert Digitalisierung

Die Digitalisierung bereitet aber auch immer mehr CIOs Probleme (2015: 41,0 Prozent, 2016: 60,3 Prozent). Die größte Hürde ist nach wie vor der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern, insbesondere für Internet-of-Things-Technologien, Big-Data-Analytics und mobile Technologien. Darüber hinaus fehlt trotz der guten Unterstützung durch das Top-Management in vielen Fällen die übergreifende Planung. Probleme bereiten außerdem unflexible Geschäftsprozesse und starre Organisationsstrukturen.



Steigendes IT-Know-how des Managements erhöht die geschäftliche Relevanz der IT

Im Rahmen der Digitalisierung hat das IT-Know-how des Führungskreises in diesem Jahr erneut in mehr als der Hälfte der Unternehmen zugenommen, allen voran in der Industrie. In der Folge ist vor allem die geschäftliche Relevanz der IT gestiegen (70,9 Prozent). Gleichzeitig haben sich in 64,0 Prozent der Unternehmen die geschäftlichen Anforderungen an die IT erhöht, während die technologischen Anforderungen nur bei rund einem Viertel gestiegen sind.

Mehr Big-Data-Anwendungen in Betrieb

Die Digitalisierung schlägt sich auch in der zunehmenden Nutzung von Big Data nieder. Inzwischen betreiben 15,9 Prozent der Teilnehmer mehrere Anwendungen (Vorjahr 11,0 Prozent) und 8,0 Prozent ein System (Vorjahr 8,8 Prozent). Spitzenreiter beim Big-Data-Einsatz sind wie im Vorjahr die Finanzdienstleister. Das produzierende Gewerbe und die Automobilindustrie holen allerdings auf. Die große Mehrheit realisiert ihre Projekte in Zusammenarbeit mit externen Partnern (85 Prozent). „Das hat verschiedene Vorteile“, kommentiert Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect & Experte IT-Trends bei Capgemini. „Externe Berater haben das Wissen und die Erfahrung, um tragfähige Konzepte für Big Data zu erarbeiten. Außerdem bringen sie die erforderlichen Spezialisten mit, die Wissen an die internen Mitarbeiter weitergeben. So können Unternehmen trotz des Fachkräftemangels relativ schnell Know-how aufbauen.“

Top-Technologien des Jahres 2016: Sicherheit in allen Facetten

Die ersten Plätze auf der Liste der Top-Technologien des Jahres belegen Applikations-Portfolio-Rationalisierung, Privacy by Design, BYOx-Security, Security Automation und Cloud-Security. Obwohl vier der fünf Top-Themen mit Sicherheit zu tun haben, ist die Bedeutung der IT-Sicherheit insgesamt gefallen. Der extrem hohe Wert des vergangenen Jahres wurde nicht wieder erreicht, was sowohl mit der subjektiven Wahrnehmung der Bedrohungslage zusammenhängt als auch mit dem zunehmenden Reifegrad von Sicherheitslösungen. Die Flops des Jahres sind mobile Payment, mobile Services für Fahrzeuge, Wearables, Robotic Process Automation und Gamification.

Förderprojekt „Designetz“: Deutsche Telekom und Voltaris arbeiten an Lösungen für Digitalisierung der Energiewelt

Die Deutsche Telekom und Voltaris stellen in dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekt „Designetz“ eine Komplettlösung für den Messstellenbetrieb und die Vernetzung gemäß den Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) bereit.

Voltaris übernimmt im Förderprojekt die Rolle des Messstellenbetreibers für intelligente Messsysteme einschließlich der Gateway-Administration. Dabei werden die Messsysteme für die Erfassung und Verarbeitung der Energiewerte und für Informationen zur Netzqualität genutzt. Eine zentrale Herausforderung stellt die Funktionalität des sicheren Steuerns dar. Unter Beachtung der Netzzustandsanalyse (Ampelmodell) werden das netzdienliche Steuern sowie die Funktionalitäten eines marktlichen Einsatzes der Erzeugungsanlagen, Speicher und Flexibilität demonstriert. Die Telekom bringt ihr Know-how aus Informations- und Kommunikationstechnik und ihre langjährigen Erfahrungen mit der Sicherheitsinfrastruktur PKI – einem öffentlich hinterlegten Schlüssel (englisch: Public Key Infrastructure) in das Projekt ein.



Als Beitrag zum Gelingen der Energiewende sollen alle erforderlichen Daten zur Verbrauchsermittlung, Eigenerzeugung und Einspeisung möglichst über ein System erhoben und ausgetauscht werden. Dabei muss das System so gestaltet sein, dass es für netzdienliche Zwecke genutzt werden kann. Die zu entwickelnde Kommunikationsplattform ist gezielt auf die Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit hinsichtlich anzubindender Infrastrukturen und Protokolle ausgerichtet und stellt eine standardisierte Plattform für die diskriminierungsfreie Bereitstellung von Daten entsprechend der Rollen und Rechte im Projekt – und im späteren Betrieb – zur Verfügung.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Energiewendeprojekt „Designetz“, eines der ausgewählten Schaufenster „Intelligente Energie“. Unter der Federführung von RWE wird im Projekt „Designetz“ die Integration erneuerbarer Energien in das Versorgungssystem – mit der Vernetzung des industriellen Ballungsraums Ruhrgebiet und weiteren Projektschwerpunkten in Rheinland-Pfalz und im Saarland – demonstriert.

Im Rahmen des bislang umfassendsten Demonstrationsprojektes zur Integration erneuerbarer Energien in das Versorgungssystem sollen eine Vielzahl von Anwendungen mit 46 Partnern aus Stadtwerken, Industrie und Wissenschaft umgesetzt werden. Zukünftige Anwendungen benötigen ein effizientes Datenkommunikationssystem, das im Stande ist, Echtzeit-Sensor- und Steuerungswerte bereitzustellen. Darüber hinaus ist eine leistungsfähige und sichere Kommunikationsinfrastruktur zur flexiblen, einfachen und kostengünstigen Einbindung neuer Teilnehmer (unter anderem Händler, Netzbetreiber, Einspeiser, Verbraucher) erforderlich.

BDI-Präsident Grillo: Rechtsordnung braucht Digitalisierungs-Update

Weniger Regulierung, mehr Harmonisierung in der EU gefordert – Unternehmen müssen zügig Diskussion über Rechtsrahmen für Industrie 4.0 führen – Bundesjustizminister und Bundesdatenschutzbeauftragte zu Gast auf BDI-Konferenz

„Unsere Rechtsordnung braucht ein Digitalisierungs-Update. Es bedarf weniger Regulierung, dafür mehr Harmonisierung nationaler Gesetze.“ Das forderte BDI-Präsident Ulrich Grillo am Donnerstag in Berlin auf einer vom BDI veranstalteten Rechtkonferenz zur Industrie 4.0.

Es sei gut, dass sich die EU jüngst auf einen Text zur Europäischen Datenschutzgrundverordnung einigen konnte, um nach vier Jahren Verhandlungen gleiches Recht für alle in der Union sicherzustellen. Doch im Zeitalter des Internets der Dinge fielen immer öfter auch Daten ohne Personenbezug an. Für diese gelte das Datenschutzrecht nicht, erklärte der BDI-Präsident.



„Jetzt vorschnell nach dem Gesetzgeber zu rufen – das halte ich für den falschen Weg. Unsere Unternehmen müssen nun aber mit Tempo eine Diskussion zu diesen Fragen führen“, forderte Grillo auf der Konferenz mit 300 Gästen, darunter dem Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, Heiko Maas, sowie der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Andrea Voßhoff. „Das Recht darf keinesfalls dem technischen Fortschritt hinterherlaufen und vermeidbare Kosten erzeugen, welche die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen verschlechtert.“
Der BDI und die Wirtschaftskanzlei Noerr haben im Rahmen einer Umfrage unter Rechtsabteilungen deutscher Unternehmen die zentralen Rechtsprobleme der digitalisierten Wirtschaft identifiziert. Zusätzlich hat Noerr im Auftrag des BDI ein Rechtsgutachten angefertigt. Es weist unter anderem darauf hin, dass Unternehmen beim Einsatz vollständig autonomer Systeme, etwa selbstfahrender Autos oder Roboter, an die Grenzen des bestehenden Rechtsrahmens stoßen.

Mittelstand: Digitalisierung ist größte Herausforderung 2016

Die Digitalisierung steht im Mittelstand ganz oben auf der Agenda. 24 Prozent der befragten Unternehmen sieht die digitale Transformation als größte Herausforderung für das Jahr 2016. Die Stärkung der lokalen Standorte folgt mit 20 Prozent auf Platz 2. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage von „Der Mittelstandsverbund“ – ZGV.

Zum Jahreswechsel blicken die deutschen Mittelstandskooperationen auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2015 zurück. Die Umsatzentwicklung hat zum Jahresende noch einmal an Fahrt aufgenommen. Während im ersten Quartal noch 21 Prozent der Befragten rückläufige Umsätze hinnehmen mussten, waren dies zum Jahresende nur noch 12 Prozent. Über 80 Prozent haben das Jahr mit steigenden oder gleichbleibenden Umsätzen abgeschlossen. Ihre Erträge konnten 31 Prozent der Unternehmen steigern.
Dementsprechend blicken die meisten mittelständischen Kooperationen zuversichtlich auf das noch junge Geschäftsjahr 2016. 53 Prozent erwarten einen Umsatzzuwachs, nur 9 Prozent rechnen mit einer negativen Entwicklung.



Die größte Herausforderung sehen die Unternehmen in der Digitalisierung. „Der Erfolg des Mittelstandes wird davon abhängen, ob sie mit ihren Systemverbünden den Weg in die digitale Zukunft schaffen“, erklärt der Präsident des Mittelstandsverbundes, Wilfried Hollmann. „Ohne faire Wettbewerbsbedingungen ist diese Herkulesaufgabe für kleine und mittlere Unternehmen allerdings kaum zu bewältigen“, so Hollmann. Der politische Spitzenverband des kooperierenden Mittelstandes setzt sich deswegen für die Beseitigung von Wettbewerbsnachteilen gegenüber international agierenden Internetplattformen und Großunternehmen im Netz ein. „Um faire Bedingungen zu schaffen, müssen dringend Möglichkeiten zur gemeinschaftlichen Preisgestaltung in Verbundgruppen geschaffen werden“, fordert Hollmann.

An der Konjunkturumfrage haben sich 75 Kooperationszentralen aus 17 Branchen beteiligt. Die Erhebung wird regelmäßig von „Der Mittelstandsverbund“ durchgeführt und bietet ein repräsentatives Bild der Geschäftslage in den Verbundgruppen des Mittelstandsverbundes. Zu diesen zählen rund 320 Einkaufs-, Marketing- und Dienstleistungskooperationen wie beispielsweise, Edeka, Rewe, Intersport, Expert, Hagebau und Bäko.

Automatisierung ist keine Bedrohung für den Arbeitsmarkt

VDMA: Industrie 4.0 rückt die Fähigkeiten des Menschen in den Mittelpunkt

Eine aktuelle Studie des World Economic Forum (WEF) zur Zukunft der Arbeit nimmt Veränderungen des Arbeitsmarktes bis zum Jahre 2020 ins Visier. „Die düstere Vision, die in dieser Studie beschrieben wird, können wir überhaupt nicht teilen“, sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Große Automationswellen in den vergangenen Jahrzehnten haben weder zur Auslöschung von Berufen geführt noch die Beschäftigung insgesamt verringert. Steigende Produktivität führt zu mehr Wohlstand und damit zu einer erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften.“

Hohe Roboterdichte und Beschäftigungsrekord in Deutschland

Laut der WEF-Studie werden unter dem Strich aufgrund rapider technologischer Fortschritte weltweit 5,1 Millionen Arbeitsplätze wegfallen, lautet der Schluss der Autoren. Deutschland ist jedoch ein Gegenbeispiel für diese These: Die deutsche Volkswirtschaft besitzt die dritthöchste Roboterdichte der Welt und hat dennoch einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Exponentiell wachsende Prozessorleistungen und Fortschritte in der künstlichen Intelligenz werden diesen Zusammenhang nicht beenden. Professor David Autor, Arbeitsmarktforscher am MIT, kommt zum Schluss, dass Substitutionseffekte von Experten regelmäßig überbewertet, komplementäre Effekte hingegen unterbewertet werden (Zitat Prof. Autor: „Journalists and even expert commentators tend to overstate the extent of machine substitution for human labor and ignore the strong complementarities between automation and labor“). Weiter sagt er: „Menschen können durch Computer ersetzt werden, wenn es um Routineaufgaben geht, die sich in Programmiercode beschreiben lassen. Gleichzeitig verstärkt sich der komparative Vorteil der Arbeiter und Angestellten, die Problemlösungskompetenz, Anpassungsfähigkeit und Kreativität zu bieten haben.“


Neue Automatisierungsansätze der Industrie 4.0 setzen auf die Kombination spezifisch menschlicher und maschineller Stärken. Deutlich wird dies im Trend der Mensch-Roboter-Kollaboration, bei der beide Partner Hand in Hand arbeiten. Während der Roboter schwere Teile hält und präzise positioniert, konzentriert sich der Mensch auf Aufgaben, die besonderes Geschick, Feingefühl und Flexibilität erfordern. Menschliche Arbeit wird dabei nicht ersetzt, sondern unterstützt.

Nicht Berufe werden automatisiert, sondern Tätigkeiten

Zahlreiche Analysen beschäftigen sich mit der Substituierbarkeit von Berufen durch Automatisierung und Computerisierung. So geben Osborne und Frey in ihrer viel zitierten Studie die Automatisierungswahrscheinlichkeit von Hunderten von Berufen an. Genau genommen werden allerdings nicht Berufe automatisiert, sondern Tätigkeiten. Die meisten Berufe enthalten somit automatisierbare und nicht automatisierbare Anteile. Durch die fortschreitende Automatisierung entfallen diese Berufe in der Regel nicht; sie verändern sich. Automatisierungstechnik übernimmt Routinetätigkeiten und macht den Menschen produktiver.

Sowohl das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) als auch das Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit haben ihre Analysen richtigerweise auf die Automatisierbarkeit von Tätigkeiten aufgestellt und kommen zum Schluss, dass lediglich 9 -15 Prozent der Berufe hauptsächlich hoch automatisierbare Tätigkeiten umfassen. Neu entstehende Berufe und Tätigkeiten können dies auf dem Arbeitsmarkt kompensieren.

Automatisierung muss sich rechnen

Eine reine Betrachtung der potentiellen Automatisierbarkeit von Tätigkeiten bleibt theoretisch. „Unternehmen werden Automatisierung nur dort einführen, wo sie wirtschaftlich ist“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Brodtmann. In vielen Fällen bleibe der Mensch die bessere Wahl.

Analyse auf wackeligen Beinen

Worauf der VDMA auch noch verweist: Die Studie “The Future of Jobs” des World Economic Forum bezieht ihre Erkenntnisse aus der Befragung von Personalleitern von global aufgestellten Unternehmen in neun Industriesektoren in 15 Ländern, beziehungsweise Wirtschaftsgemeinschaften. Diese Datenbasis liefert wertvolle Erkenntnisse hinsichtlich der sich schnell ändernden Qualifikations- und Ausbildungsbedarfe. Eine präzise quantitative Aussage über weltweite Netto-Beschäftigungseffekte könne, so der Verband, aus den Einschätzungen der Befragten nicht getroffen werden.

Mittelständler: Digitalisierung als Schlüssel zu besserer Kundenansprache

Suchmaschinen, Apps und Always On-Mentalität: Gerade weil immer mehr Umsatz über das Internet erzeugt wird, stehen kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend in der Gefahr, den digitalen Anschluss an ihre Kunden zu verlieren. Während Konzerne ausreichend Kapital und Arbeitskraft in die digitale Transformation ihrer Geschäftsmodelle investieren können, mangelt es kleineren Unternehmen hierfür oft an Ressourcen. Die Münchner Digitalakademie gibt Mittelständlern Hilfestellung, wenn es darum geht, die Herausforderungen des digitalen Wandels zu meistern, digital nachzurüsten und durch intelligente Datenlösungen neue Wege für eine bessere Ansprache und einen nachhaltigeren Kontakt zu ihren Kunden zu gehen.

„Das Internet wird zusehends zum wesentlichen Medium für Konsumenten. Sie shoppen zunehmend online. Außerdem sind immer mehr Menschen mobil ‚always on‘ und erwarten somit auch auf Smartphone oder Tablet Zugang zu den Produkten und Leistungen, die ihnen gefallen. Besonders der Mittelstand ist dadurch in der Pflicht, neue Prozesse zu entwickeln: Es geht nicht nur darum, Kunden an den richtigen Touchpoints, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Angeboten abzuholen. Die digitale Herausforderung besteht vielmehr darin, Kundendaten zu sammeln, intelligent auszuwerten und daraus Kundenverhalten abzuleiten und vorherzusehen. Hierfür braucht es allerdings neue, digitale Geschäftsmodelle“, sagt Alexander Sattler, einer der Initiatoren und Partner bei der Digitalakademie.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Um die digitalen Voraussetzungen für diese Art der datengestützten Kundenansprache zu schaffen, sehen die Münchner Digitalisierungsexperten gerade bei kleinen und mittelständischen Betrieben noch viel Bedarf, in puncto CRM-Systeme und Business Intelligence Tools nachzurüsten. Sattler: „Damit ihnen keine weiteren Wettbewerbsnachteile entstehen, müssen Mittelständler innovativ sein und ihre Prozesse und Geschäftsmodelle digitalisieren. Ansonsten laufen sie Gefahr, von Internetgiganten und IT-Start-ups vom Markt verdrängt zu werden. Durch ihren digitalen Vorsprung haben diese nämlich immer mehr Möglichkeiten, Nischen, Chancen und Potenziale für sich zu erkennen und mit disruptiven Geschäftsmodellen auf den Markt zu drängen.“



Laut Digitalakademie werden die Art und die Geschwindigkeit, in der Anbieter ihre Kunden mit Informationen und Angeboten ansprechen, den Wettbewerb künftig noch stärker bestimmen. So werden nur jene Angebote oder Produkte am Markt eine Chance haben, denen es gelingt, im Laufe des Einkaufs- und Entscheidungsprozesses überhaupt wahrgenommen und bedacht zu werden. Ein digitales, kanalübergreifendes Kundenbeziehungs-Management und der Einstieg in das Thema Big Data sind daher wichtige Voraussetzungen für Unternehmen, um nachhaltig wettbewerbsfähig zu bleiben. „Nur so lassen sich Kundendaten optimal sammeln, analysieren und nutzen, um maßgeschneiderte Angebote für Kunden zu entwickeln. Ziel der Digitalakademie ist es, den deutschen Mittelstand hierfür mit dem entsprechenden Handwerkszeug und den notwendigen Strategien auszustatten“, fasst Sattler zusammen. So möchte die Initiative Mittelständler nicht nur in Webinaren, Seminaren und Ringvorlesungen über die Chancen und Risiken des digitalen Wandels aufklären. In Workshops möchten die Experten der Akademie zudem mit Entscheidern aus dem Mittelstand individuelle Lösungen für die erfolgreiche digitale Transformation ihres Geschäfts erarbeiten.
Weitere Informationen zur Digitalakademie finden.

Interessenten hier: www.digitalakademie.org

Wo steht die deutsche Wirtschaft nach der Digitalisierung?

Wo steht die deutsche Wirtschaft in zehn Jahren – nach der Digitalisierung? Diese Frage hat der Digitalverband Bitkom 556 Geschäftsführern und Vorständen aus den Bereichen Automobilbau, Banken, Medien, Pharmaindustrie und Touristik gestellt. Die größte Zuversicht haben danach die Manager der Fahrzeughersteller: 86 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Branche in zehn Jahren bei der Digitalisierung in der Spitzengruppe (64 Prozent) oder sogar weltweit führend sein wird (22 Prozent). „Die deutsche Automobilindustrie hat aufgrund ihrer Größe, Innovationskraft und Finanzstärke beste Voraussetzungen, digitale Technologien zu entwickeln und erfolgreich zu vermarkten“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder im Vorfeld der „hub conference“ in Berlin. Allerdings zeigten neue Wettbewerber zum Beispiel bei der Entwicklung digital gestützter Mobilitätskonzepte oder der Elektromobilität, dass bestehende Marktpositionen nicht in Stein gemeißelt sind. Rohleder: „Die Digitalisierung führt dazu, dass die Karten auf vielen Märkten neu gemischt werden.“ Laut Umfrage blicken die Top-Manager aus der Finanzbranche ebenfalls sehr zuversichtlich in die Zukunft. Fast zwei Drittel (64 Prozent) sehen sich bei der Digitalisierung in zehn Jahren weit vorne (52 Prozent) oder sogar an der Spitze (12 Prozent).

In der Pharmaindustrie halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. 51 Prozent sehen sich bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe oder weltweit führend. Dagegen geht die andere Hälfte davon aus, dass sie sich allenfalls im Mittelfeld (39 Prozent) oder sogar weit abgeschlagen (10 Prozent) wiederfinden. Deutlich pessimistischer als die anderen Branchen sind Manager aus den Medien und der Touristik. Nur ein Viertel (24 Prozent) der Medienmanager glauben, dass sie im internationalen Vergleich in zehn Jahren bei der Digitalisierung ihres Geschäfts in der Spitzengruppe sein werden. Eine Führungsrolle erwartet in dieser Branche niemand. 62 Prozent sehen sich im Mittelfeld und weitere 14 Prozent sogar abgeschlagen. In der Touristik sehen sich mit 16 Prozent die wenigsten in der Spitzengruppe und 84 Prozent im Mittelfeld.

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Befragt wurden 556 Geschäftsführer bzw. Vorstandsmitglieder von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern in den Branchen Fahrzeugbau, Medien, Touristik, Pharmaindustrie und Banking. Die Umfragen sind für die jeweiligen Branchen repräsentativ.

Digitalisierung: Knapp 80 Prozent der deutschen Unternehmen schwächeln

Im Zeitalter der Digitalisierung lösen sich ganze Branchen mitsamt den jeweiligen Wertschöpfungsketten auf – das ist inzwischen eine der Binsenweisheiten von Unternehmenslenkern. Im Rahmen einer internationalen Studie hat die Innovations- und Strategieberatung Arthur D. Little den digitalen Reifegrad von mehr als 100 europäischen Unternehmen aus sieben Branchen eingehend betrachtet und systematisch bewertet. Das Ergebnis ist ernüchternd, denn nur ca. 20 Prozent der Unternehmen verstehen es, die Digitalisierung aktiv zu gestalten, während der Rest lediglich versucht, auf digitale Entwicklungen zu reagieren – ohne schlüssiges Gesamtkonzept.

Für die Bewertung hat Arthur D. Little den „Digital Transformation Index“ (DTI) entwickelt, der den Digitalisierungsgrad umfassend und systematisch analysiert. Die Berater untersuchten die Felder Strategie, Umsetzungssteuerung, Produktportfolio, Kundenschnittstellen, interne Prozesse, IT und Kultur. Der Reifegrad wurde dabei auf einer Skala von 1 bis 10 bewertet. Der Durchschnittswert über alle Unternehmen hinweg lag bei nur bei 3,92. Die Arthur D. Little Experten attestieren nur 22 Prozent der Studienteilnehmer, zu den Vorreitern der digitalen Transformation zu zählen. Davon erhielten lediglich zwei Unternehmen die Bestnote und wurden als „digital centric“ eingestuft. Demgegenüber stehen jedoch 60 Prozent der Unternehmen, die versuchen, sich an bestehende Trends anzupassen, ohne dabei eigene Visionen zu verfolgen. 18 Prozent der Unternehmen waren sich der Herausforderungen der Digitalisierung zwar bewusst, eine eigene Strategie fehlte jedoch gänzlich. Beim Blick auf die Detailergebnisse zeigt sich zudem, dass keine spezifische Branche als Vorreiter anzusehen ist.



Die Experten sehen großen Handlungsbedarf, um die Potentiale der Digitalisierung tatsächlich voll nutzen zu können. Michael Opitz, Initiator der Studie und verantwortlicher Leiter der TIME Practice von Arthur D. Little in Central Europe, stellt fest: „Viele Unternehmen haben leider noch nicht die Chancen und Risiken der Digitalisierung erkannt, sondern fokussieren sich nur darauf, ihr bestehendes Geschäftsmodell über digitale Kanäle zugänglich zu machen“. Bernd Schreiber, Partner im Bereich Operations Management und Mitautor der Studie, führt aus: „Die Untersuchung zeigt uns, dass die Unternehmen im Allgemeinen digitale Herausforderungen nur halbherzig angehen. So haben nur 70 Prozent der untersuchten Unternehmen ein klare Vision und eine Roadmap, um Technologien wie Augmented Reality, Cyber Physical Systems oder cloudbasierte Machine-to-Machine-Lösungen für die eigenen Prozesse zu nutzen. Der DTI in dieser Sektion ist mit lediglich 2,88 besonders schwach.“ „Digitalisierung: Knapp 80 Prozent der deutschen Unternehmen schwächeln“ weiterlesen

Schlaue Kombinationen sorgen für schnelles Internet

Um die digitale Infrastruktur bundesweit zu verbessern, muss Deutschland neue Wege gehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Fraunhofer-Trendstudie, die begleitend zum Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ erstellt wurde. Unter den Preisträgern identifizierten die Forscher viele Projekte, die durch clevere Kombinationen neue Potenziale erschließen: etwa, wenn mobile Daten über das TV-Netz übertragen werden – oder der WLAN-Hotspot die Stadtluft säubert.

Was die digitale Infrastruktur betrifft, gibt es in Deutschland noch viel zu tun: Im „Monitoring-Report Wirtschaft Digital 2015“ fordert die Mehrheit der befragten Unternehmer (90 Prozent) eine stärkere Förderung des Breitbandausbaus.1 Bei der Durchschnittsgeschwindigkeit der Internetzugänge im Festnetz liegt Deutschland mit 10,7 Megabit pro Sekunde deutlich hinter Ländern wie Südkorea (23,1 Mbit/s) oder Schweden (16,1 Mbit/s).2 Auch die steigende Nutzung des Internets über mobile Endgeräte fordert neue Lösungen. Schon mehr als jeder Zweite (54 Prozent) geht laut der Initiative D21via Smartphone und Co. ins Netz.

Eine Trasse, viele Leitungen:
„Wer die Digitalisierung effizient vorantreiben möchte, muss bereit sein, neue Wege zu gehen – und alte Wege neu zu nutzen“, sagt Steffen Braun, Verfasser der Trendstudie und Leiter des Bereichs „Urban Systems Engineering“ am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die Preisträger, die 2015 von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und der Deutschen Bank ausgezeichnet wurden. So etwa ein bundesweit einzigartiges Infrastrukturprojekt in der Region Westeifel: Dort sorgt ein 80 Kilometer langer Graben für schnelles Internet. Denn über die Trasse wird nicht nur Trinkwasser, Gas und Strom transportiert. Zusammen mit den anderen Leitungen wurden auch direkt Glasfaserkabel verlegt.




An einer weiteren Kombination von Übertragungswegen wird an der Technischen Universität Braunschweig gearbeitet. Dort testen Forscher die Möglichkeit, mobil gesendete Daten über das TV- und Rundfunknetz zu verbreiten – und so zusätzliche Kapazitäten für Smartphone-Nutzer zu schaffen. Ihr Projekt TOoL+ zählt daher zu den „Ausgezeichneten Orten 2015“. Unter den Preisträgern ist auch ein Sonderforschungsbereich an der TU Darmstadt, der sich ebenfalls mit den Kommunikationssystemen von morgen befasst. Diese sollen in Zukunft Ausfälle vermeiden, indem sie selbstständig verschiedene technische Kanäle wie Bluetooth und LTE kombinieren. „Smartphones sind für immer mehr Menschen fester Bestandteil ihres Alltags. Selbst die modernsten Geräte sind aber nur so gut wie ihre Internetverbindung“, so Steffen Braun. In Zukunft müssen diese Verbindungen noch deutlich mehr aushalten: Denn das Datenvolumen im Mobilfunk ist in Deutschland seit 2007 von 3,54 Millionen auf 393 Millionen Gigabyte gestiegen.

Eine andere Möglichkeit, das mobile Netz zu entlasten, ist der Ausbau von WLAN-Angeboten in Ballungsräumen. Das Dresdner Start-up Green City Solutions nimmt sich mit seinem CityTree gleich mehrerer Herausforderungen an, vor denen deutsche Städte stehen. Denn die vertikale Grünfläche ist nicht nur WLAN-Hotspot und Werbeträger. Sie bietet auch eine ideale Wuchsfläche für Moose und Blütenpflanzen, die Feinstaub absorbieren und die stark belastete Stadtluft sauberer machen. „Ideen wie diese zeigen, dass in Zukunft vor allem integrierte Lösungen gefragt sind. Silodenken ist in Zeiten des digitalen Wandels nicht förderlich“, sagt Steffen Braun.

Roland Berger zur Digitalisierung: Retail Banken könnten 30 Prozent ihrer Erträge verlieren

Digitalisierung, was ist das? Deutsche Banken bieten einfache Bankgeschäfte zwar schon heute online oder mobil an. Schwieriger aber wird es bei der Abwicklung komplexer Finanzprodukte – hier hinken viele Banken noch hinterher. In ihrer neuen Retail Banking-Studie „Executive Retail Banking Survey: Digital Transformation“ erklären die Roland Berger-Experten, warum deutsche Banken ihre Digitalisierung schnell vorantreiben müssen, wenn sie den Anschluss an die dynamischen digitalen Wettbewerber nicht verlieren wollen. Die Studie basiert auf einer Umfrage von 65 europäischen Banken, darunter neun deutsche Finanzinstitute.

„Wenn es um Kontoeröffnungen oder Kreditkartenanträge über Online- oder Mobile-Kanäle geht, haben deutsche Banken ein besseres Leistungsspektrum als europäische Banken“, sagt Wolfgang Hach, Partner von Roland Berger. Hohe regulatorische Anforderungen, manuelle Prozesse und veraltete Systeme erschweren allerdings eine schnelle Abwicklung oder den Abschluss von komplexeren Finanzgeschäften, wie Versicherungsabschlüsse oder Kreditverträge. „Die Banken kommen unter Druck, denn Kunden erwarten die gleiche schnelle, flexible und zuverlässige Abwicklung ihrer Geschäfte wie bei Online-Händlern“, ergänzt Co-Autor Sebastian Steger.

Kundendaten nur unzureichend genutzt

In der ersten Welle der Digitalisierung haben sich deutsche Banken vor allem auf einfache Produkte fokussiert. Allerdings nutzen sie die daraus gesammelten Kundendaten nur unzureichend, um ihre Produkte oder ihren Service weiter zu verbessern. So analysieren nur rund 45 Prozent der deutschen Banken permanent das Online-Verhalten ihrer Kunden. Wechselt ein Kunde von der Filiale zum Online-Banking, werden seine historischen Daten kaum weiterverwendet. „Der Zugang zu digitalen Technologien ist nicht das Problem. Die Banken kämpfen vielmehr mit Widerständen innerhalb der Organisation, Bestehendes zu verändern“, sagt Hach. Deutsche Banken haben viel Nachholbedarf, wenn es darum geht, vorhandene Kundendaten systematisch auszuwerten und die Organisation für neue, digitale Produkte fit zu machen.




Digitalisierung ist kein Umsatztreiber

Um die Digitalisierung dennoch voranzutreiben, gründen Banken digitale Innovationszentren oder beteiligen sich an Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen. Deutsche Banken sind allerdings im Vergleich zu anderen europäischen Banken zurückhaltender und haben erst spät mit solchen Initiativen begonnen. Sie können daher noch nicht einschätzen, ob sich solche Investitionen wirklich lohnen. Ein Drittel der befragten Banken investiert derzeit bis zu 20 Prozent ihres IT-Budgets in Digitalisierung. Verglichen mit anderen Branchen ist der Anteil noch gering. Dies liegt auch an den steigenden regulatorischen Anforderungen, die hohe Investitionen in bestehende oder neue IT-Systeme erforderlich machen. Zudem sehen die Studienteilnehmer in der Digitalisierung weniger einen zusätzlichen Umsatztreiber als vielmehr eine Ergänzung zum traditionellen Geschäft.
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So werden Mittelständler zu Gewinnern der digitalen Revolution

Der deutsche Mittelstand droht zum Verlierer der digitalen Revolution zu werden. Laut der neugegründeten Münchner Digitalakademie besteht eine wachsende Gefahr für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland, zusehends hinter der rasanten Entwicklung innovativer, meist digitaler Geschäftsmodelle zurückzufallen. Im Austausch mit Entscheidern aus der Realwirtschaft und Gründerszene hat die Digitalakademie Wirtschaftsfaktoren identifiziert, um die Konkurrenzfähigkeit, Innovations- und Wirtschaftskraft des Mittelstands mit Blick auf den digitalen Wandel nachhaltig zu stärken.

„Besonders KMUs verlieren zunehmend den Anschluss an ihre online-affine Kundschaft und digitale Geschäftsmodelle“, sagt Michael Schwienbacher, einer der Initiatoren und Partner bei der Digitalakademie. „Start-ups und große Internetfirmen, die in Themen wie Big Data und E-Commerce zuhause sind, nutzen ihren Wissensvorsprung: Sie füllen die Lücken, die der Mittelstand lässt. Dadurch stehen immer mehr traditionelle Unternehmen in Gefahr, durch neue, disruptive Geschäftsmodelle vom Markt verdrängt zu werden. Im Erfahrungsaustausch mit unseren Partnern und Seminarteilnehmern haben wir drei entscheidende Erfolgsfaktoren definiert, die aus unserer Sicht relevant sind, um Mittelständlern dabei zu helfen, in Sachen digitale Transformation wieder aufzuholen.“

Wirtschaftsfaktor 1: Führung auf Augenhöhe

Die Digitalisierung fordert zunächst einen Wandel der bestehenden Geschäftsstrukturen. Viele mittelständische Unternehmen arbeiten noch in starren Hierarchien und Prozessen. Doch gerade flache Hierarchien und ein stärkerer Fokus auf die Mitarbeitereinbindung sind laut der Digitalakademie wesentliche Erfolgsfaktoren, um schnell auf immer dynamischere Marktsituationen zu reagieren und um junge Fach- und Führungskräfte nachhaltig an das eigene Unternehmen zu binden. Schwienbacher: „Unternehmen müssen Mitarbeiter auf allen Ebenen unterstützen und ermutigen, über Strukturen hinweg zu agieren, und sie in Entscheidungen involvieren. Ein solches Hierarchiemodell steigert die Effizienz und Innovationskraft eines Unternehmens. Gleichberechtigung statt Konkurrenzdenken ist ein Garant für einen schnelleren Informationsfluss. Mitarbeiter teilen ihr Wissen, statt es zu horten. Das Wissen wiederum ist ein wichtiger Treiber in der Industrie 4.0.“



Wirtschaftsfaktor 2: Gemeinsames Nutzen von Ressourcen

Das Geschäftsmodell landwirtschaftlicher Genossenschaften, wie etwa teure Maschinen gemeinschaftlich anzuschaffen und zu nutzen, da der Einzelne die Kosten nicht tragen könnte, lässt sich ebenso auf die Digitalisierung übertragen: So bietet es sich laut Digitalakademie für mittelständische Unternehmen an, mit Blick auf Business Intelligence, Big Data und zeitgemäße IT-Systeme ebenfalls auf das Teilen zu setzen. „An dieser Form des Sharing können alle Beteiligten gewinnen: Ein Mittelständler mit 20 Mitarbeitern hat weder die Möglichkeit, ein Konzept für sein digitales Datenmanagement zu erarbeiten, noch kann er es sich leisten, ein entsprechendes Business Intelligence-Tool einzuführen. Wenn jedoch 20 bis 30 Mittelständler je 10.000 Euro für diesen Zweck zusammenlegen, kommen Sie in Sachen Digitalisierung einen großen Schritt voran“, sagt Schwienbacher. „So werden Mittelständler zu Gewinnern der digitalen Revolution“ weiterlesen