Dokumentation: Offener IT-Gipfel

Wir dokumentieren hier die interessante Begrüßungsrede von Peter Ganten, dem Vorsitzenden der OSB (Open Source Business) Alliance, auf dem „Offenen IT-Gipfel“ in Hamburg:

„Warum machen wir hier heute parallel zum so genannten Nationalen IT Gipfel einen offenen IT Gipfel?
Die Ziele unserer Bundesregierung, wie sie in der digitalen Agenda 2014-2017 ihren Niederschlag finden, sind unter anderem – und hier zitiere ich aus dem Grußwort von Sigmar Gabriel zum Nationalen IT Gipfel – eine sichere und leistungsfähige Infrastruktur, die Stärkung der Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und Sicherheit im Netz. Das sind wichtige und richtige Ziele, um die es auch hier auf dem offenen IT Gipfel gehen soll.

Aber erlauben Sie mir ein zweites Zitat vom Nationalen IT Gipfel, diesmal von Dieter Kempf, dem Präsidenten des BITKOM: „Deutschland hat in den letzten Jahren zu selten zu den Gewinnern gehört, wenn es um rasante technologische Veränderungen ging.“

Wir als Open Source Business Alliance glauben, es braucht andere Schwerpunkte und mehr Mut, wenn wir dies ändern wollen, wenn nicht nur Deutschland sondern auch ganz Europa wieder häufiger zu den Gewinnern in der IT-Industrie gehören soll.

Schauen wir uns doch einmal an, wer die wesentlichen Gewinner in der IT Industrie in den letzten 10 Jahren gewesen sind: Neben der Firma Apple fallen einem da sofort Namen wie Google, Facebook oder Amazon, einer der großen Vorreiter beim Thema Cloud Computing, ein. Diese Unternehmen unterscheiden sich von vielen anderen IT-Organisationen auch dadurch, dass sie sehr erfolgreich darin gewesen sind, Open Source Software für sich zu nutzen. Das Google-Betriebssystem Android basiert auf Linux, das iPhone-Pendant iOS von Apple auf FreeBSD, einem anderen Open Source Betriebssystem. Und sowohl Google, als auch Facebook und Amazon setzen bei der Realisierung ihrer Infrastrukturen strategisch immer zuerst auf Open Source Software.

Warum ist das so?
Dazu möchte ich nochmal auf die drei von Herrn Gabriel genannten Ziele der digitalen Agenda zurückkommen:

Das erste Ziel ist eine sichere und leistungsfähige IT-Infrastruktur. Zweifellsohne muss das auch ein Ziel der eben genannten Unternehmen sein. Und gerade hier spielt Open Source Software ihre Stärken aus: Nur durch die vom Hersteller unabhängige Verfügbarkeit des so genannten Quellcodes einschließlich der Möglichkeit, diesen ändern und auch kommerziell nutzen zu können, kann sich eine kompetente Community entwickeln, die in der Lage ist, unabhängig von Herstellerinteressen potentielle Probleme aufzudecken und schnell zu beheben. Dafür, dass dies funktioniert gibt es täglich neue Beweise. Das ist der Mechanismus durch den das Internet das geworden ist, was es heute ist. Als Staat, als Gesellschaft und auch als Unternehmen sollten wir darüber nachdenken, wie wir an diesen Open Source Prozessen mitwirken können, um davon zu profitieren und selbst zu einer sicheren und leistungsfähigeren IT-Infrastruktur zu kommen.

Das zweite Ziel ist die Stärkung der Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Wichtige Voraussetzungen für Innovationen sind Kompetenz und die Möglichkeit zum Zugriff auf bereits vorhandenes Wissen, im Fall von Software bedeutet das, Zugriff auf den Quellcode. Und Open Source Software ermöglicht genau dies: Sie senkt Eintrittsbarrieren für neue Player auf dem Markt, weil diese auf bereits Vorhandenem aufbauen können und sie fördert den Wettbewerb, weil es leichter ist, auf den Innovationen Anderer wiederum mit eigenen Erfindungen aufzubauen. Nur weil Google, Facebook und Amazon so radikal auf Open Source Software gesetzt haben, konnten sie so erfolgreich und schnell wachsen. Wenn wir Ähnliches in Europa wollen, müssen wir also deutlich auf Open Source Kompetenz und den weiteren Aufbau des bereits verfügbaren Materials setzen. Damit wir dies erreichen, müssen auch die öffentlichen Auftraggeber stärker auf Open Source Software setzen.

Und das dritte Ziel ist Sicherheit. Ich glaube, es ist mittlerweile Konsens, dass es Sicherheit vor kriminellen Angreifern, aber auch vor Geheimdiensten aller Art nur dann geben kann, wenn alle Komponenten kritischer IT-Infrastruktur offen und transparent sind, wenn wir also Programmcode einsetzen, der von möglichst vielen kompetenten Personen begutachtet und möglicherweise verbessert worden ist. „Security by Obscurity“ ist tot, der einzige Weg zu mehr Sicherheit ist „Security by Design and Transparency“. Insbesondere im Bereich Sicherheit führt also an Open Source Software überhaupt kein Weg mehr vorbei.

Bei aller Wichtigkeit der Fragen, die nebenan auf dem nationalen IT-Gipfel diskutiert werden, wünschen wir uns deswegen eine sehr viel stärkere Betrachtung der Frage, wie wir Offenheit in der IT und insbesondere Open Source Software stärken können, damit wir die Ziele der Bundesregierung erreichen. Herr Kempf sagt, wir hätten in Deutschland zu selten zu den Gewinnern gehört. Dann machen wir es doch so wie viele unserer europäischen Nachbarn und bevorzugen Open Source Software bei Vergaben gezielt. Übrigens haben auch die USA gerade eine entsprechende Entscheidung veröffentlicht. Ausbau von Breitbandnetzen ist wichtig und richtig, aber wenn diese nur dazu genutzt werden können, proprietäre Technologie aus anderen Ländern zu uns zu bringen und keine eigene Wertschöpfung ermöglicht, dann haben wir das Ziel nicht erreicht.“

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