Cebit: Mittelstand will Vernetzung statt Silicon Valley

Über Digitalisierung wird hierzulande viel geredet, gehandelt wird nach der Meinung des Bundesverbands-IT-Mittelstand e.V. (BITMi) aber eher zögerlich wie bei der Aufhebung der Störerhaftung oder gar hinderlich wie bei den nationalen Alleingängen zum IT-Sicherheitsgesetz. Dabei müsse Deutschland nun aufwachen. Als bisher ungeschlagener Weltmeister in Produktion und Industrie, drohe Deutschland nun digital, industriell und damit auch wirtschaftlich abgehängt zu werden. Vor allem der Mittelstand, das Herzstück der deutschen Wirtschaft, habe erheblichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung – stehe Veränderungen aber skeptisch gegenüber. Genau hier müsse aber ein Umdenken stattfinden: „Informationstechnologie ist nicht einfach ein weiterer Kostenpunkt auf der Ausgabenliste“ sagt Oliver Grün, der Präsident des BITMi, „sondern der entscheidende Enabler für das eigene Wachstum. Die IT stellt nicht nur eine der größten Branchen Deutschlands dar, sondern ist das ZukunftsFundament der deutschen Wirtschaft – unerlässlich für jedes Unternehmen.“

IT-Mittelstand bringt gut vernetzt die deutsche Digitalisierung voran

Die digitale Revolution biete aber großes Potenzial für die deutsche IT: Bisher regiere das Silicon Valley die digitale Welt. „In vielen Bereichen sind wir abhängig von ausländischer IT-Technologie und setzten unsere eigene Digitale Souveränität aufs Spiel“ sagt Martin Hubschneider, der Vizepräsident des BITMi. „Gute Lösungen „Made in Germany“ können aber dem deutschen Mittelstand und der Gesamtwirtschaft zur erfolgreichen Digitalisierung verhelfen.“ Denn das Vertrauen in deutsche Angebote und deren Sicherheit sei nach wie vor groß. Hier könne vor allem der IT-Mittelstand eine besondere Rolle spielen: Mit 56 Milliarden Euro Umsatz, einem Anteil von 45 Prozent der Gesamtbranche, über der Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und als Hauptausbilder ist der IT-Mittelstand schon jetzt ein entscheidender Faktor für die deutsche Wirtschaft. Grün fordert deshalb: „Die deutsche Antwort auf die Dominanz des Silicon Valley muss den IT-Mittelstand beinhalten und kann nicht eine schlichte Kopie des amerikanischen Erfolgsmodells sein.“

Der BITMi ruft auf der Cebit in Hannover deshalb zu einer umfassenden Mittelstands-Vernetzung auf drei Ebenen auf: im Netzwerk der IT-Cluster, im Netzwerk der IT-Anbieter und im Netzwerk der IT-Anwender.

Stärkung der IT-Mittelstandsallianz mit neuen Partnern des BITMi

Es sei für den IT-Mittelstand unerlässlich, sich wirtschaftlich und technologisch zu vernetzen und eine deutsche Antwort auf die Dominanz des Silicon Valley zu geben. Für den IT-Mittelstand ergeben sich aus einer erfolgreichen Vernetzung zahlreiche Vorteile und stärken ihn nachhaltig für den globalen Wettbewerb. „Bisher verhindert häufig das operative Geschäft, dass kleine und mittelständische IT-Unternehmen sich vernetzen und gemeinsam an Projekten arbeiten“, weiß BITMi-Präsident Grün zu berichten. „So entgehen dem IT-Mittelstand Gewinne durch fehlende Internationalisierung und ausbleibende Teilnahme an Großprojekten. Wir brauchen jetzt ein digitales Ökosystem des gesamten IT-Mittelstands.“

Hier entwickelt der BITMi derzeit konkrete Konzepte, mit denen bestehende, starke Strukturen verbunden werden, sodass sich gemeinsame Stärken und Synergien entfalten. Durch eine effektive Vernetzung können sich mittelständische ITUnternehmen zu flexiblen Wertschöpfungspartnerschaften als „Virtuelle Fabriken 2.0“ zusammenfinden und so mit großen Konzernen mithalten. Das bestehende Spezialwissen einzelner Unternehmen wird in unterschiedlicher Weise kombiniert und ermöglicht neue Innovationen. Der steigenden Komplexität von Dienstleistungen kann so durch die Zusammenarbeit verschiedener Anbieter begegnet werden. Auch technische Regularien und Standards müssen bestimmt werden, welche die Kollaboration der Systeme ermöglicht.

Nicht nur für einen deutschen Markt entsteht so großes Potenzial. Die wenigsten deutschen Unternehmen verfügen über ein Wachstumskapital wie die Wettbewerber des Silicon Valley. Die Vernetzung kann Synergieeffekte erzeugen, die auch internationale Projekte in den Bereich des Möglichen rückt. So werden neue Geschäftschancen erschlossen, neue Umsatzmöglichkeiten generiert und es entsteht eine gemeinsame Stärke auch zur Abwehr des Ausverkaufs unvernetzter ITMittelständler an IT-Monolithen aus den USA oder Asien.

Netzwerk der IT-Anwender – Allianz Mittelstand 4.0

Mittelständische IT-Anwender haben erheblichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Nicht nur die Zurückhaltung bei Cloud und Big Data zeigen, dass dies dringend notwendig ist. Eine Enigma Studie von August 2014 zeigte beispielsweise, dass sich lediglich die Hälfte aller Befragten mittelständischen Unternehmen mit der Digitalisierung beschäftigten, ein Drittel gab sogar an, das Thema Digitalisierung hätte für sie überhaupt keine Relevanz. Hier muss der Mittelstand aufwachen und reagieren, bevor es zu spät ist. Mit einer neuen Initiative zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesamtmittelstandes will der BITMi gemeinsam mit Andreas R. Fischer, Vordenker der Mittelstandsinitiative „digitalize your business“, dem Abhilfe verschaffen. Dazu soll der konkrete wirtschaftliche Nutzen der Digitalisierung für den Mittelstand in den Fokus gestellt werden. Der Startschuss der Initiative fällt mit einer Expertenrunde unter dem Titel „Start der Allianz Mittelstand 4.0: ‚Wir wollen die Digitalisierung des Mittelstands beschleunigen!’“

Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) vertritt über 1000 IT-Unternehmen und ist damit der
größte Fachverband für ausschließlich mittelständische Interessen in Deutschland.

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